Hamburger Abendblatt

In der Ausgabe vom 30. April 2010 schrieb das Hamburger Abendblatt auf Seite 28 unter der Überschrift „Neue Vorschriften – Radler müssen Rotlicht für Autos beachten“, dass für Radfahrer (auf einem Radweg ohne eigene Radfahrer-Ampel) nun nicht mehr die Fußgängerampel gültig sei, sondern die Ampel für die Autofahrer.

Kurz nachgegoogelt: Das Abendblatt erzählt hier gefährlichen Blödsinn. Quellen* wie der ADFC oder der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e. V. sagen ganz klar: Für Radfahrer (auf einem Radweg ohne eigene Radfahrer-Ampel) gilt die Fußgängerampel. Diese Regelung besteht bis mindestens August 2012.

Weil ich gerade Zeit hatte, schrieb ich eine kurze Leser-E-Mail als Hinweis an das Hamburger Abendblatt. Mark Hübner-Weinhold, Ressortleiter Beruf & Erfolg / Sonderthemen beim Hamburger Abendblatt, schrieb mir am nächsten Tag zurück: „Wir sprechen noch einmal mit unserem Gesprächspartner beim ADFC und informieren Sie und die anderen Leser über den richtigen Sachverhalt.

Kurz darauf schrieb mir die Autorin des Artikels, Laura Fölmer, dass meine „Kritik […] vollkommen berechtigt“ sei: „Bei der Nachprüfung hat sich nun der von Ihnen beschriebene Sachverhalt als korrekt herausgestellt. […] Wir werden dies am kommenden Wochenende auf der nächsten Ratgeberseite richtig stellen.“ Außerdem zitierte sie für mich nochmal genau den betreffenden Absatz aus der ADFC-Broschüre, den ich in meiner Leser-E-Mail selbst als Quelle angegeben hatte. Abschließend bat sie um Nachsicht, und schrieb, dass es ihre Absicht gewesen sei, „für mehr Rechtssicherheit im Straßenverkehr zu sorgen„.  So weit, so gut. Dachte ich zumindest.

Jetzt lese ich in der Ausgabe vom 8. Mai 2010 auf Seite 30 die „Korrektur“ von Frau Fölmer: Die Überschrift lautet „Radweg muss nur bei blauem Schild benutzt werden“, und mehr steht inhaltlich auch nicht drin. Kein Wort über ihre falschen Abgaben zur Gültigkeit der Ampeln! Das hat mich dann doch geärgert.

Liebe Frau Fölmer, wenn Sie für mehr Rechtssicherheit Sicherheit im Straßenverkehr sorgen möchten, schlage ich vor, Sie halten sich einfach in Zukunft von diesem Themenbereich fern. Und bitte nutzen Sie wenn möglich öffentliche Verkehrsmittel.

Und vielleicht schlagen Sie mal bei Gelegenheit den Begriff „Rechtssicherheit“ im Lexikon nach.

Fazit: Es wird Zeit, endlich das Abo zu kündigen.

*Quellen: z. B. „Fahrrad fahren – aber sicher!„, Leser-Telefon-Aktion zum Radverkehr, Deutsche Verkehrssicherheitsrat e. V. vom 23. April 2010, unterste Frage: „Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich über einen Radweg, der über eine Ampelkreuzung führt. […] Welche Ampel gilt? Jörg Ortlepp: Nach gegenwärtigem Stand gilt in dieser Situation die Fußgängerampel.

Oder z. B. Broschüre „Alle im Blick – Regelungen zum Radverkehr“ als PDF vom ADFC, Seite 7 unten: „Fährt der Radfahrer […] auf einem Radweg, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen, sind die besonderen Ampeln für den Radverkehr zu beachten. Sind solche nicht vorhanden, gelten bis August 2012 die Fußgängerampeln.

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